Pfarrer/in – ein Berufsbild im Wandel
Das Berufsbild des evangelischen Pfarrers bzw. der evangelischen Pfarrerin befindet sich im Wandel und ist heute vielseitiger denn je. Welche Aufgaben dich erwarten, wo du arbeiten kannst und wie dein Weg ins Pfarramt aussieht, erfährst du hier!
Inhaltsübersicht
Was machst du als Pfarrer/in?
Die Kirche findet längst nicht mehr nur im Kirchenraum statt. Sie begegnet Menschen in Schulen, Krankenhäusern, sozialen Einrichtungen und zunehmend auch online. Wenn du den Weg als Pfarrer oder Pfarrerin einschlägst, entscheidest du dich für einen Beruf mit Verantwortung und immer mehr Gestaltungsspielraum.
Als evangelischer Pfarrer oder evangelische Pfarrerin übernimmst du viele unterschiedliche Aufgaben:
🤝🏼 Menschen begleiten:
Ein großer Teil deiner Arbeit besteht darin, Menschen in wichtigen Lebensmomenten zu begleiten. Du führst Taufen, Trauungen und Beerdigungen durch. Gleichzeitig bist du Ansprechpartner bei persönlichen Krisen, bei Krankheit, Trauer oder Konflikten.
⛪️ Gottesdienste gestalten und Glauben vermitteln:
Natürlich leitest du Gottesdienste. Doch auch das ist mehr als „nur predigen“. Du bereitest Predigten vor, entwickelst kreative Gottesdienstformate und greifst aktuelle gesellschaftliche Themen auf.
💡 Verantwortung übernehmen:
Im Pfarramt übernimmst du Leitungsaufgaben. Gemeinsam mit dem Kirchenvorstand planst du Projekte und organisierst Veranstaltungen. Dabei arbeitest du mit Ehrenamtlichen zusammen und entwickelst neue Ideen für deine Gemeinde.
Wo kannst du arbeiten?
Nicht jeder evangelische Pfarrer arbeitet ausschließlich in einer Ortsgemeinde. Je nach Interesse kannst du auch in anderen Bereichen tätig sein:
- im Schulpfarramt
- in der Krankenhausseelsorge
- in der Militärseelsorge
- in Justizvollzugsanstalten
- in landeskirchlichen Einrichtungen oder Leitungsfunktionen
Je nachdem, für welchen Bereich du dich entscheidest, verändert sich dein Arbeitsalltag deutlich. Genau das eröffnet dir vielfältige Möglichkeiten.
Wie wirst du evangelischer Pfarrer oder evangelische Pfarrerin?
Wenn du den Beruf des Pfarrers oder der Pfarrerin einschlagen möchtest, erwartet dich ein klar strukturierter Ausbildungsweg in drei Phasen:
1. Theologiestudium
Zuerst studierst du Evangelische Theologie an einer Universität oder kirchlichen Hochschule. Das Studium ist wissenschaftlich aufgebaut und dauert meist 3–5 Jahre. Du beschäftigst dich intensiv mit dem Alten und Neuen Testament, Kirchengeschichte, Ethik und praktischer Theologie.
Am Ende steht das Erste Kirchliche Examen, das von deiner Landeskirche abgenommen wird.
2. Vikariat
Nach dem Studium folgt das Vikariat — deine praktische Ausbildungszeit in einer Gemeinde. Hier lernst du den Berufsalltag genauer kennen. Du hältst erste eigene Gottesdienste, führst Gespräche in der Seelsorge, unterrichtest Religion und bekommst Einblicke in organisatorische Abläufe. Begleitend nimmst du an Seminaren teil und wirst von erfahrenen Pfarrerinnen oder Pfarrern unterstützt.
Das Vikariat endet dann mit deinem Zweiten Kirchlichen Examen.
3. Probedienst
Danach beginnt dein Probedienst. In dieser Phase übernimmst du erstmals eigenverantwortlich eine Pfarrstelle. Du sammelst praktische Erfahrung und wächst Schritt für Schritt in deine Rolle hinein.
Wenn du diese Phase erfolgreich absolviert hast, wirst du offiziell in das Pfarramt übernommen und bist damit evangelischer Pfarrer oder evangelische Pfarrerin.
Studyflix vernetzt: Hier ein Video aus einem anderen Bereich
Voraussetzungen: Was solltest du mitbringen?
Wenn du evangelischer Pfarrer oder evangelische Pfarrerin werden möchtest, brauchst du zunächst die formalen Voraussetzungen. In der Regel ist das Abitur erforderlich, da du ein Studium absolvierst. Auch ein Quereinstieg mit abgeschlossener Berufsausbildung und Berufserfahrung ist möglich — das hängt von deiner Landeskirche ab.
Wichtiger als Noten ist jedoch deine Persönlichkeit. Du solltest bereit sein, Verantwortung zu übernehmen und dich intensiv mit Glaubens- und Sinnfragen auseinanderzusetzen.
Außerdem helfen dir folgende Eigenschaften im Berufsalltag:
✓ Empathie und Einfühlungsvermögen
✓ Kommunikationsstärke
✓ Belastbarkeit in emotional herausfordernden Situationen
✓ Organisationsfähigkeit
✓ Offenheit für gesellschaftliche Veränderungen
Da du im evangelischen Pfarramt tätig sein möchtest, solltest du Mitglied einer evangelischen Kirche sein oder dich bewusst für diesen Weg entscheiden. Taufe oder Konfirmation können — falls noch nicht erfolgt — in der Regel nachgeholt werden.
Was verdienst du als evangelischer Pfarrer?
Das Gehalt im evangelischen Pfarramt orientiert sich an der Beamtenbesoldung. Dadurch hast du eine verlässliche finanzielle Grundlage.
Bereits während des Vikariats erhältst du eine monatliche Unterhaltsbeihilfe.
Nach deiner Ausbildung steigst du in der Regel in die Besoldungsgruppe A13 ein. Das entspricht einem monatlichen Bruttogehalt von etwa 4.500 bis 5.000 € — je nach Bundesland und Landeskirche. Mit zunehmender Berufserfahrung steigt dein Gehalt weiter an. Auch Familienzuschläge oder besondere Aufgaben können dein Gehalt zusätzlich erhöhen.
Karrierechancen: Welche Wege stehen dir offen?
Das klassische Gemeindepfarramt ist nur eine von vielen Möglichkeiten. Du hast noch viele weitere Möglichkeiten: Wenn du dich spezialisieren möchtest, kannst du beispielsweise in der Krankenhausseelsorge arbeiten, im Schulpfarramt tätig sein oder Menschen in der Militär- oder Gefängnisseelsorge begleiten.
Mit wachsender Erfahrung kannst du auch Leitungsfunktionen übernehmen — etwa als Dekan oder in kirchlichen Leitungsämtern. Dort gestaltest du Strukturen und trägst Verantwortung für größere kirchliche Bereiche.
Darüber hinaus entstehen neue Tätigkeitsfelder: Digitale Gottesdienste, Social-Media-Arbeit als „Sinnfluencer“ oder innovative Gemeindeprojekte bieten dir moderne Karrierechancen. Die Kirche ist heute nicht mehr nur lokal verankert, sondern auch digital präsent. Wenn du Lust hast, neue Wege zu gehen, kannst du diesen Wandel aktiv mitgestalten.
Diakon werden
Du merkst, dass dich vor allem die praktische soziale Arbeit anspricht und weniger die Leitung von Gottesdiensten oder das wissenschaftliche Theologiestudium? Dann könnte der Beruf des Diakons oder der Diakonin besser zu dir passen. Find hier mehr darüber heraus!
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