Hast du dich schon einmal gefragt, wieso du einem deiner engen Verwandten ähnlich siehst? Das hat mit den Erbgängen zu tun. Alles Wichtige erfährst du in diesem Beitrag und im Video !
Inhaltsübersicht
Erbgänge einfach erklärt
Erbgänge sind die Wege, auf denen bestimmte Merkmale von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden. Diese Merkmale können nicht nur körperliche Merkmale wie Augen– oder Haarfarbe sein, sondern auch Krankheiten.
Merkmale werden in Form von Genen weitergegeben. Sie enthalten alle wichtigen Informationen des Organismus. Jedes Gen ist für eine bestimmte Funktion, wie zum Beispiel das Haarwachstum, zuständig. Die Gesamtheit all deiner Gene kannst du auch als Genotyp bezeichnen.
Ein Mensch erhält immer zwei Genvarianten für ein und dieselbe Funktion, eines von der Mutter und eines vom Vater. Diese Genvarianten nennst du auch Allele. Ihre Ausprägung ist letztendlich entscheidend für dein Erscheinungsbild, welches du Phänotyp nennst.
Grundsätzlich kannst du die Erbgänge in drei Gruppen unterteilen:
- Dominant-rezessive Erbgänge: Ein Merkmal wird im Phänotyp vererbt
- Intermediäre Erbgänge: Beide Merkmale vermischen sich und bilden einen neuen Phänotyp
- Kodominante Erbgänge: Beide Merkmale werden in ursprünglicher Form im Phänotyp vererbt
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Chromosomen sind Strukturen aus DNA. Sie sind in Zellkern der Zellen vorhanden und werden bei der Fortpflanzung an Nachkommen weitergegeben.
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Autosomale Vererbung bezieht sich auf die Weitergabe von Merkmalen, die auf einem Autosom (nicht–Geschlechtschromosom) kodiert sind.
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Gonosomale Vererbung bezieht sich auf die Weitergabe von Merkmalen, die auf einem Geschlechtschromosom (X oder Y) kodiert sind.
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homozygot bedeutet, dass ein Organismus oder Individuum das gleiche Allel für ein bestimmtes Merkmal von beiden Elternteilen erhalten hat.
- heterozygot bedeutet, dass ein Organismus oder Individuum unterschiedliche Allele für ein bestimmtes Merkmal von beiden Elternteilen erhalten hat.
Arten von Erbgängen
Es gibt drei verschiedene Arten von Erbgängen: Dominant-rezessive, intermediäre und kodominante Erbgänge.
Diese drei Erbgänge können sowohl bei der autosomalen als auch bei der gonosomalen Vererbung auftreten. Der einzige Unterschied ist, dass die Merkmale bei einer gonosomalen Vererbung mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit nur bei einem der beiden Geschlechter vorkommen werden. Bei der autosomalen Vererbung spielt das Geschlecht keine Rolle.
Allgemein verlaufen die Erbgänge nach den Prinzipien der Mendel’schen Regeln .
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Dominant-rezessiver Erbgang
Bei dem dominant-rezessiven Erbgang spielt es eine große Rolle, ob die Allele dominant oder rezessiv sind. Die dominanten Allele setzen sich nämlich gegen die Rezessiven durch. Dadurch sind sie auch der ausschlaggebende Faktor, der über den Phänotyp des Erbgangs bestimmt. In der Biologie werden dominante Allele mit Großbuchstaben (A,B,…), und rezessive Allele mit Kleinbuchstaben (a,b,…) gekennzeichnet.
Auch wenn in Erbgängen dieses Typen immer beide Allele im Genotyp vorhanden sind, ist nur ein Resultat im Phänotyp zu sehen. Somit sind die Merkmale eines rezessiven Allels nur dann sichtbar, wenn es mit einem anderen rezessiven Allel ein Paar bildet. Deshalb kann es sein, dass du Gene für eine ganz andere Haarfarbe hast, die sich jedoch nicht durchsetzen konnten.
Grundsätzlich kannst du dir merken, dass sich bei heterozygoten Paaren immer das dominante Allel durchsetzt. Bei homozygoten Paaren setzt sich die vorhandene Sorte von Allelen durch. Dadurch sind bei dominant-rezessiven Erbgängen immer drei Kombinationen möglich:
| Genotyp | Phänotyp |
| AA (homozygot) | A |
| Aa / aA (heterozygot) | A |
| aa (homozygot) | a |
Beispiel: Dominant-rezessiver Erbgang
Schauen wir uns dazu das Beispiel an, wenn sich zwei Mäuse paaren. Ihre Allele sind heterozygot verteilt, deshalb wird ihr Phänotyp vom dominanten Allel bestimmt – in unserem Fall dem Weißen (W). Das rezessive Allel ist schwarz (s). Da sie sich nun paaren, werden die Gene zur Fellfarbe neu verteilt. Es entstehen neue homo- und heterozygote Allelpaare im Verhältnis 1 : 2 : 1.
Die rezessiven Allele setzen sich allerdings nur in einem der vier Fälle durch, da in allen anderen Kombinationen ein dominantes, weißes Allel vorhanden ist. Somit ist eine von vier Babymäusen schwarz und der Rest weiß.
Intermediärer Erbgang
Bei intermediären Erbgängen werden die Merkmale vermischt. Die Voraussetzung dafür ist allerdings ein heterozygotes Allelpaar.
Nehmen wir an, deine Eltern haben zum Beispiel blonde (BB) und dunkelbraune (DD) Haare. So bekommst du bei einem intermediären Erbgang, als Teil der ersten Tochtergeneration (F1), hellbraune (BD) Haare.
Bei der Farbverteilung im intermediären Erbgang greift übrigens die erste und zweite Mendelsche Regel .
Kodominanter Erbgang
Bei einem kodominanten Erbgang sind die Merkmale beider Allele gleich ausgeprägt. Das darfst du allerdings nicht mit der Vermischung beider Merkmale verwechseln. Anders als beim intermediären Erbgang sind beide ursprünglichen Merkmale noch immer gut zu sehen.
Zum Beispiel ist bei einem Kaninchen der F1 Generation, das von seinen Eltern Allele für weißes (W) und schwarzes (S) Fell hat, ein schwarz-weiß (SW) geflecktes Fell vorhanden.
Auch für kodominante Erbgänge muss ein heterozygotes Allelpaar vorliegen.
Erbgänge — häufigste Fragen
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Erbgänge — häufigste Fragen
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Was sind Erbanlagen?Erbanlagen sind Gene, also Abschnitte der DNA, die Informationen für Merkmale tragen. Für jedes Merkmal erhält ein Individuum normalerweise zwei Varianten eines Gens, je eine von Mutter und Vater. Diese Genvarianten heißen Allele und ihre Kombination bestimmt, was im Phänotyp sichtbar wird.
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Was bedeutet autosomal dominant?Autosomal dominant bedeutet, dass ein Merkmal auf einem Autosom (nicht auf einem Geschlechtschromosom) liegt und sich dominant vererbt. Dominant heißt: Schon eine einzige dominante Genvariante reicht aus, damit das Merkmal im Phänotyp auftritt, unabhängig vom Geschlecht des Individuums.
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Woher weiß man, ob ein Erbgang dominant oder rezessiv ist?Ob ein Erbgang dominant oder rezessiv ist, erkennt man daran, wie das Merkmal in einer Familie über Generationen auftaucht. Dominant erscheint meist schon, wenn ein Elternteil das Merkmal zeigt. Rezessiv kann Generationen überspringen. Beispiel: Zwei unauffällige Eltern bekommen ein betroffenes Kind.
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Was bedeutet Kodominanz bei der Vererbung von Blutgruppen?Kodominanz bei Blutgruppen bedeutet, dass zwei verschiedene Allele im heterozygoten Zustand beide gleich stark sichtbar sind. Bei der Blutgruppe AB wirkt deshalb das A-Allel und das B-Allel gleichzeitig. Es entsteht keine Mischform; beide Merkmale treten nebeneinander auf.
Stammbaumanalyse
Jetzt weißt du alles Wichtige über die Erbgänge. Diese werden vor allem bei einer Stammbaumanalyse wichtig, wenn du die Vererbung von Merkmalen über mehrere Generationen analysierst. Schau dir jetzt unser Video zu dem Thema an, um auch hier den vollen Durchblick zu bekommen!