Viele weltbekannte Werke der deutschen Literatur stammen aus der Feder von Johann Wolfgang von Goethe. In diesem Beitrag und in unserem Video erfährst du alles, was du über ihn wissen musst!
Inhaltsübersicht
Wer war Johann Wolfgang von Goethe?
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) zählt zu den bekanntesten deutschen Schriftstellern. Doch Goethe war nicht nur als Autor erfolgreich. Auch in der Politik und in der Naturwissenschaft konnte er sich einen Namen machen. Daher wurde er manchmal auch als „Universalgenie“ bezeichnet.
Goethes frühe Werke kannst du der Epoche Sturm und Drang zuordnen. Die Epoche zeichnet sich dadurch aus, dass sie die alten Ideale und den Vernunftglauben der Aufklärung ablehnte. Stattdessen standen die eigenen Gefühle und die künstlerische Freiheit im Zentrum.
Seine späteren Werke gehören zur Weimarer Klassik, die Goethe zusammen mit Friedrich Schiller begründet hat. Diese Epoche sah Kunstwerke aus der Antike als das Ideal für Schönheit und Harmonie an. Deshalb orientieren sich ihre Werke an antiken Kunstformen und ihren klaren formalen Regeln.
Biografie & Lebenslauf
Johann Wolfgang Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren. Er kam als erstes von sieben Kindern zur Welt. Fünf seiner Geschwister verstarben noch im Kindesalter und seine letzte Schwester Cornelia mit nur 26 Jahren.
Du kannst dir den Lebenslauf auch hier als PDF herunterladen: Johann Wolfgang von Goethe Lebenslauf
💡Erst nachdem Goethe 1782 in den Adelsstand gehoben wurde, änderte sich sein Name zu Johann Wolfgang von Goethe!
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Jugend und Studium
Goethes Familie war wohlhabend und angesehen. Daher musste er bereits nach kurzer Zeit nicht mehr auf die öffentliche Schule gehen, sondern konnte von einem Privatlehrer und seinem eigenen Vater zu Hause unterrichtet werden. Schon in dieser Zeit begann er, sich für Literatur zu interessieren und selbst kleinere Theaterstücke zu verfassen.
Da sein Vater Anwalt war und seine Mutter aus einer Anwaltsfamilie kam, schlug auch Goethe diese berufliche Laufbahn ein. 1765 begann er mit gerade einmal 15 Jahren ein Jurastudium in Leipzig. Gleichzeitig entdeckte er sein kreatives Talent und nahm an verschiedenen Kunstkursen teil.
Allerdings musste Goethe sein Studium 1768 unterbrechen, da er an Tuberkulose erkrankt war. Zu dieser Zeit begann er auch Gedichte zu schreiben.
Erst zwei Jahre später war es Goethe wieder möglich an der Universität in Straßburg weiterzustudieren, wo er seinen Mentor Johann Gottfried Herder kennenlernte. Herder brachte Goethe unter anderem Werke von Shakespeare näher und beeinflusste seinen literarischen Stil entscheidend.
Erste Erfolge
Nach dem Studium eröffnete er 1771 eine Anwaltskanzlei in Frankfurt und wurde Praktikant am Reichskammergericht in Wetzlar.
Dennoch gehörte sein Herz immer noch dem Schreiben. Er veröffentlichte sein erstes Drama „Götz von Berlichingen“ (1773) und seinen ersten Roman „Die Leiden des jungen Werther“ (1774). Außerdem begann er mit der Arbeit an „Faust„, was er jedoch erst 40 Jahre später fertigstellen werden würde.
💡“Die Leiden des jungen Werther“ war ein schlagartiger Erfolg und machte Goethe über Nacht berühmt. Doch der Ruhm hatte auch eine Schattenseite — den sogenannten „Werther-Effekt„: Viele junge Menschen kleideten sich nicht nur wie die Hauptfigur sondern ahmten auch dessen Suizid nach.
Durch die Bekanntheit von Goethes Werken wurde auch der damalige Herzog Carl August auf den jungen Schriftsteller aufmerksam und lud ihn 1775 auf einen Besuch in Weimar ein. Daraus entwickelte sich eine Freundschaft, die Goethe sogar eine politische Stelle als Berater einbrachte. Seine Aufgabe war es, den verschuldeten Staatshaushalt zu richten. Dafür wurde er 1782 zum Finanzminister ernannt und adlig gesprochen.
1784 gelang ihm zudem ein bedeutender Durchbruch bei seinen naturwissenschaftlichen Forschungen: Er entdeckte den menschlichen Zwischenkieferknochen. Damit konnte er beweisen, dass der Mensch kein eigenständiges Wesen, sondern eng mit anderen Wirbeltieren verwandt ist.
Italienreise
Nach zehn Jahren Staatsdienst fühlte sich Goethe erschöpft und verfiel in eine schwere Lebens- und Schaffenskrise. Um den politischen Pflichten am Hof zu entfliehen, beschloss Goethe 1786 kurzerhand nach Italien zu reisen. Dort besuchte er viele Orte, wie zum Beispiel Venedig, Florenz, Mailand und Rom.
Die antike Kunst und Architektur inspirierte ihn zu neuen Gedichten und Zeichnungen. Er beurteilte diese Reise rückblickend als seine persönliche „Wiedergeburt“.
💡Die meiste Zeit war Goethe unter dem falschem Namen Johann Philipp Möller unterwegs, da er kein Aufsehen erregen wollte .
Es war auch genau diese Reise, die Goethe schließlich dazu gebracht hat, seine politische Karriere zu beenden. Er wollte das Dichten und das Forschen wieder in seinen Mittelpunkt stellen.
Goethe und Schiller
Als Goethe 1788 von seiner Italienreise nach Weimar zurückkehrte, lernte er dort Christiane Vulpius kennen, die er 1806 heiratete. Gemeinsam hatten sie fünf Kinder, doch nur ihr erstgeborener Sohn Julius August Walter (1789–1830) erreichte das Erwachsenenalter.
In Weimar traf er 1788 auch auf den zehn Jahre jüngeren Schriftsteller Friedrich Schiller. Die beiden deutschen Autoren verband eine tiefe Freundschaft, die aber auch von einem starken Konkurrenzkampf geprägt war. Zum Beispiel verfassten sie im sogenannten „Balladenjahr“ 1797 viele Balladen, um zu sehen, wer wohl besser im Dichten war.
Oft tauschten sie sich in Briefen und Besuchen über ihre Literatur aus und diskutierten neue Ideen. Sie verfassten auch Werke zusammen, wie zum Beispiel die Epigramm-Sammlung „Xenien“ (1797).
Als Schiller 1805 in Folge einer Lungenentzündung verstarb, stellte das für Goethe ein einschneidendes Erlebnis dar. Einem befreundeten Musiker schreibt er, er hätte „die Hälfte [s]eines Daseins“ verloren.
Letzte Jahre und Tod
Die letzten zwanzig Jahre seines Lebens verbrachte Goethe mit dem kreativen Schaffen. Er hatte im Laufe seines Lebens viele Ideen angefangen, die er zu seinem Lebensende hin vervollständigte. Dazu gehörte zum Beispiel das zweiteilige Drama „Faust“. Der erste Teil wurde 1808 uraufgeführt und der zweite 1832, nachdem Goethe bereits gestorben war.
Auch einen seiner größten naturwissenschaftlichen Erfolge feierte er in seinen letzten Jahren. In der Abhandlung „Zur Farbenlehre“ (1810) finden sich Ergebnisse von jahrzehntelangen Studien über Farben und wie wir sie wahrnehmen.
Am 22. März 1832 ist Goethe schließlich im Alter von 82 Jahren in Weimar verstorben. Goethes Wunsch entsprechend, wurde er an Schillers Seite in der Weimarer Fürstengruft begraben.
💡Nach Schillers Tod, bewahrte Goethe sogar den seinen Schädel bei sich zu Hause auf. 2008 stellte sich jedoch heraus, dass die Gebeine zuvor in einem Gewölbe versehentlich vertauscht wurden. Wo sich Schillers Knochen tatsächlich befinden, ist bis heute ungeklärt.
Johann Wolfgang von Goethe — Werke
Johann Wolfgang von Goethe hat Werke in jeder literarischen Gattung verfasst.
Heute ist er besonders für seine Lyrik bekannt, die als ein Beispiel für herausragende deutsche Dichtkunst gilt. Er soll mehr als 3.000 Gedichte in den verschiedensten Gedichtarten geschrieben haben. Insbesondere antike Formen wie das Klagegedicht Elegie oder die erzählende Ballade haben Goethe interessiert.
Auch in der Dramatik war Goethe sehr begabt — so hat er hat ungefähr 20 Theaterstücke verfasst. Viele seiner Werke gelten heute noch als absolute Klassiker und werden auf der ganzen Welt aufgeführt.
In der Epik , also die erzählende Literatur, kannst du von Goethe verschiedene Textarten wie Romane, Novellen, oder auch Fabeln finden.
Zusätzlich hat Goethe auch viele Sachtexte verfasst. Die meisten sind naturwissenschaftliche Abhandlungen über die Forschungen, die er betrieben hat. Er hat aber auch seine eigene Biografie, sowie Berichte über die Französische Revolution oder seine Reise nach Italien geschrieben.
Gedichte von Goethe
- Heidenröslein (1770)
- Maifest (1771)
- Willkommen und Abschied (1771/1789)
- Neue Liebe, neues Leben (1775)
- Auf dem See (1775/1789)
- Rastlose Liebe (1776)
- An den Mond (1778/1789)
- Der Erlkönig (1782)
- Hermann und Dorothea (1782)
- Das Göttliche (1783)
- Prometheus (1789)
- Römische Elegien (1795)
- Xenien (1797)
- Der Zauberlehrling (1798)
- West-östlicher Divan (1819)
- Trilogie der Leidenschaft (1827)
Epische Texte von Goethe
- Die Leiden des jungen Werther (1773)
- Reineke Fuchs (1794)
- Wilhelm Meisters Lehrjahre (1795)
- Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten (1795)
- Die Wahlverwandtschaften (1809)
- Wilhelm Meisters Wanderjahre (1821)
Dramen von Goethe
- Götz von Berlichingen (1773)
- Iphigenie auf Tauris (1779/1787)
- Egmont (1789)
- Torquato Tasso (1790)
- Faust. Der Tragödie Erster Teil (1808)
- Faust. Der Tragödie Zweiter Teil (1832)
Sachtexte von Goethe
- Beiträge zur Optik (1791)
- Die Campagne in Frankreich (1792)
- Zur Farbenlehre (1810)
- Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit (1811–1832)
- Italienische Reise (1817)
Johann Wolfgang von Goethe — häufigste Fragen
(ausklappen)
Johann Wolfgang von Goethe — häufigste Fragen
(ausklappen)-
Wie unterscheide ich bei Goethe Sturm und Drang von Weimarer Klassik, wenn ich nur einen kurzen Textausschnitt habe?Du erkennst Sturm und Drang meist an emotionaler Zuspitzung und Regelbruch, Weimarer Klassik eher an Maß und Ausgleich. Sturm und Drang wirkt oft spontaner, mit Ausrufen, Konflikten und starken Ich-Gefühlen. Klassik arbeitet häufiger mit klarer Form, ruhigem Ton und dem Ideal der Humanität.
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Was ist der Unterschied zwischen Goethes Balladen und seinen klassischen Gedichten wie Elegien?Eine Ballade erzählt eine Handlung mit Spannung, während Elegien eher ein nachdenkliches Gefühl ausarbeiten. Balladen haben oft Figuren, Dialoge und einen dramatischen Wendepunkt. Elegien sind meist ruhiger, persönlich und in einer strengeren Form. Der Erlkönig ist eine erzählende Ballade mit Handlung und Steigerung.
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Wie kann ich Goethes Naturwissenschaft in einem Referat erklären, ohne dass es wie ein Nebenthema wirkt?Du kannst Goethes Naturwissenschaft als Teil seiner Denkweise zeigen, weil er Natur und Kunst als zusammenhängend sah. Ihn interessierten Muster, Entwicklung und Wahrnehmung, nicht nur Messwerte. Deshalb passen Themen wie Farbenlehre oder Pflanzenmetamorphose gut zu seiner Literatur, die oft genaues Beobachten und Formenwandel beschreibt.
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Welche Fehler passieren oft, wenn man Goethes Rolle in der Literaturgeschichte kurz zusammenfassen will?Ein häufiger Fehler ist, Goethe nur als Autor von Faust zu nennen und den Rest zu übergehen. Außerdem wird er oft fest einer Epoche zugeordnet, obwohl er sich über Jahrzehnte weiterentwickelt hat. Nenne deshalb mindestens ein Werk aus Sturm und Drang und eines aus der Klassik, um die Entwicklung zu zeigen.
Friedrich Schiller
Die beiden deutschen Schriftsteller Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller haben eine tiefe Freundschaft geführt. Obwohl sie die Liebe zum Schreiben verbunden hat, haben beide Autoren völlig unterschiedliche Erfahrungen in ihrem Leben gesammelt.
Alles, was du über die spannende Lebensgeschichte von Friedrich Schiller wissen solltest, erfährst du in diesem Video!