Was die Modernisierungstheorie ist und womit sie sich auseinandersetzt, das erfährst du jetzt!
Inhaltsübersicht
Modernisierungstheorie Definition
Die Modernisierungstheorie ist ein Sammelbegriff für mehrere verschiedene Entwicklungstheorien , die in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind.
Alle Theoriezweige, die unter die Modernisierungstheorie fallen, erklären den Entwicklungsstand eines Landes mithilfe von endogenen Ursachen. Das bedeutet, dass sie die Unterentwicklung eines Landes am Zustand rechtfertigen, der in dem jeweiligen Land vorherrscht.
Den Zustand der Entwicklungsländer vergleicht die Modernisierungstheorie mit dem der westlichen Industrieländer. Sie nimmt daher an, dass die Entwicklung der Entwicklungsländer nachgeholt werden muss und sich die Länder bis hin zum Stand der Industrieländer entwickeln müssen. In unserem Video erfährst du mehr!
Modernisierungstheorie Kritik
Die Perspektive der Modernisierungstheorien steht unter Kritik, weil sie von den westlichen Industrieländern und dem dort vorherrschenden Zustand geprägt wird. Darunter fällt unter anderem die Annahme, dass ein kapitalistisches System anzustreben ist.
Modernität bezeichnet in diesem Verständnis eine westlich-kapitalistische Gesellschaft. Dabei wird der Stand des Entwicklungslands als Unterentwicklung angesehen, die es aufzuholen gilt.
Die Modernisierungstheorien implizieren in dieser Hinsicht, dass die Industrieländer den Entwicklungsländern überlegen sind. Das kommt daher, weil die Theorie in den 1950er und 1960er Jahren explizit für nicht-westliche Länder entworfen wurde, in welche westlichen Werte und Institutionen exportiert werden sollten.
Der wirtschaftliche, politische und soziokulturelle Stand der Entwicklungsländer sollte mithilfe verschiedener Entwicklungsstrategien der Industrieländer aufgeholt werden.
Ein weiterer Kritikpunkt an der Modernisierungstheorie ist ihre Annahme, dass der Entwicklungsstand eines Entwicklungslands endogen verursacht wird. Dass viele gescheiterte Entwicklungsstrategien den Zustand eines Entwicklungslands von außerhalb, also exogen, beeinflussen, wird vernachlässigt.
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Modernisierungstheorie Zuspruch
Trotz ihrer einseitigen Perspektive auf die Entwicklung betrachten und bewerten Modernisierungstheorien den Zustand eines Landes. Dadurch greifen sie Probleme auf, die die Entwicklung eines Landes behindern, wodurch Strategien und Lösungswege entwickelt werden können.
Sie haben somit einen großen Einfluss auf Entwicklungsstrategien und Entwicklungszusammenarbeit. Dadurch können akute Notsituationen wie Hunger und fehlende Bildungsmöglichkeiten durch Entwicklungsarbeit bekämpft werden.
Unterschied zur Dependenztheorie
In ihrer Perspektive auf die Entwicklung unterscheidet sich die Modernisierungstheorie von der Dependenztheorie. Denn die Dependenztheorie geht davon aus, dass die Ursachen für den Entwicklungsstand eines Landes außerhalb des Landes liegen.
Deshalb spricht sie von exogenen Ursachen. Damit ist auch ihre Perspektive verknüpft. Denn die Perspektive der Dependenztheorie ist nicht von einer westlich-kapitalistischen Welt geprägt, sondern geht von der Realität der Entwicklungsländer aus.
Zusammenfassung
- Die Modernisierungstheorie begründet den Entwicklungsstand eines Landes durch endogene (innerhalb des Landes liegende) Ursachen.
- Sie nimmt eine westlich-kapitalistische Perspektive ein.
- Die Theorie vernachlässigt exogene (außerhalb des Landes liegende) Ursachen.
- Sie kann Lösungsansätze für Probleme eines Landes durch die Entwicklung von Strategien liefern.
- Ihre Gegenperspektive ist die Dependenztheorie.
Was die Dependenztheorie aussagt und vor welchem Hintergrund sie steht, das erfährst du hier !
Modernisierungstheorie — häufigste Fragen
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Modernisierungstheorie — häufigste Fragen
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Was versteht man unter Modernisierung?Unter Modernisierung versteht man den Prozess, bei dem sich ein Land wirtschaftlich, politisch und gesellschaftlich in Richtung eines „modernen“ Industriestaats entwickelt. Man erkennt Modernisierung zum Beispiel daran, dass Industrie und Dienstleistungen wachsen, Bildung und Gesundheitsversorgung ausgebaut werden und staatliche Institutionen stabiler und besser organisiert funktionieren.
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Was ist die klassische Modernisierungstheorie?Die klassische Modernisierungstheorie ist ein Sammelbegriff für Entwicklungstheorien nach dem Zweiten Weltkrieg, die Unterentwicklung vor allem durch Ursachen im Land selbst erklären. Sie vergleicht Entwicklungsländer mit westlichen Industrieländern und geht davon aus, dass Entwicklung nachgeholt wird, indem ähnliche Strukturen, Werte und Institutionen aufgebaut werden.
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Was ist die Modernisierungstheorie von Rostow?Die Modernisierungstheorie von Rostow (Walt W. Rostow) ist ein Stufenmodell mit fünf Phasen, das Entwicklung als festen Weg in mehreren aufeinanderfolgenden Stadien beschreibt: 1. Traditionelles Gesellschaftsstadium, 2. Voraussetzungen für den Take-off, 3. Take-off, 4. Reifephase (Drive to Maturity), 5. Hochverbrauchsgesellschaft (Age of High Mass Consumption). Die Idee dahinter ist, dass Länder diese Stufen nacheinander durchlaufen. (Der englische Fachbegriff Take-off wird hier unverändert verwendet.)
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Was versteht man unter endogenen Ursachen in der Modernisierungstheorie?Endogene Ursachen in der Modernisierungstheorie sind Gründe für Unterentwicklung, die innerhalb eines Landes liegen. Gemeint sind zum Beispiel schwache politische Institutionen, wenig Bildung, geringe Technik- und Industrieentwicklung oder gesellschaftliche Strukturen, die wirtschaftliche Veränderungen bremsen. Die Theorie erklärt Entwicklung deshalb vor allem durch interne Bedingungen.
Entwicklungstheorien verstehen
Die Modernisierungstheorie gehört zu den Entwicklungstheorien und ist ein wichtiges Modell aus der Erdkunde. Du vergleichst in diesem Themenfeld verschiedene Erklärungen dafür, warum Länder sich unterschiedlich entwickeln. So erkennst du, ob Ursachen eher im Land selbst oder eher von außen gesehen werden. Im Erdkundebereich findest du passende Videos zu diesem und verwandten Themen.