Was sind narrative techniques und wie erkennst du sie für deine Textanalyse in Englisch? Wir zeigen dir hier die wichtigsten Techniken und Merkmale!
Inhaltsübersicht
Narrative techniques einfach erklärt
Narrative techniques sind alle Werkzeuge und Methoden, mit denen ein Autor eine Geschichte erzählerisch gestaltet. Sie beeinflussen, wer die Geschichte erzählt, wie die Handlung gestaltet ist und wie beim Leser Gefühle und Spannung entstehen.
Für die Analyse der narrative techniques brauchst du sechs Kernbereiche:
- Erzählperspektive und Fokalisierung (z. B. Ich-Perspektive)
- Rede- und Gedankenwiedergabe (z. B. innerer Monolog)
- Zeitordnung (z. B. Rückblende)
- Handlungsverlauf und Spannung (z. B. Konflikt)
- Charakterisierung (z. B. direkte Charakterisierung)
-
Schauplatz und Atmosphäre (z. B. dunkler Wald)
Schauen wir uns diese sechs Bereiche nun genauer an.
So analysiert du die Erzählperspektive und Fokalisierung
Der erste Schritt in jeder Analyse ist die Frage: Wer erzählt hier und was weiß dieser Erzähler? Dabei kann der Erzähler unterschiedliche Point of Views (Perspektiven) einnehmen.
Wichtig: Du unterscheidest immer zwischen dem Autor und dem Erzähler. Der Autor schreibt den Text. Der Erzähler ist eine Figur im Text, welche die Geschichte wiedergibt.
Erzählperspektive: Die drei Grundtypen
| Typ | Erkennungsmerkmale | Typische Wirkung |
| First-person narrator (Ich-Erzähler) | Pronomen „I“, subjektive Schilderung | Nähe, Identifikation, eingeschränkte Informationen |
|
Third-person limited narrator (Personaler Erzähler) |
„he/she/they“, Inneneinblick nur in eine Figur | Fokus auf eine Figur, Spannung durch begrenztes Wissen |
| Third-person omniscient narrator (Auktorialer Erzähler) | „he/she/they“, Kommentare über mehrere Figuren | Lenkung des Lesers, umfassender Überblick |
Gut zu wissen: Auch die Zuverlässigkeit des Erzählers spielt eine wichtige Rolle. Ein unreliable narrator (unzuverlässiger Erzähler) erzählt die Geschichte möglicherweise nicht so, wie sie wirklich passiert ist. Das erkennst du beispielsweise an Widersprüchen oder Übertreibungen.
Fokalisierung: Wer nimmt wahr?
Focalisation beschreibt, durch wessen Augen der Leser die Geschichte wahrnimmt. Es gibt drei Typen:
-
Zero focalisation (Nullfokalisierung): Der Erzähler weiß mehr als jede Figur. Er hat Zugang zu allen Gedanken und Ereignissen.
➡️ „Sarah was nervous about the test, but her teacher already knew that she would pass.”
-
Internal focalisation (interne Fokalisierung): Der Leser sieht die Welt durch die Wahrnehmung einer Figur. Der Erzähler ist auf deren Wissen und Empfindungen begrenzt.
➡️„I heard footsteps behind me, but I was too afraid to turn around.“
-
External focalisation (externe Fokalisierung): Der Erzähler zeigt nur äußeres Verhalten. Er beschreibt, was man sehen oder hören kann, jedoch keine Gedanken oder Gefühle.
➡️ „Sarah looked at the clock and sighed. She picked up her bag and left the room.”
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So analysierst du Rede- und Gedankenwiedergabe
Nachdem du Perspektive und Fokalisierung bestimmt hast, geht es jetzt darum, wie Figuren zu Wort kommen. Die zentrale Unterscheidung ist dabei: Zeigt der Text oder erzählt er?
- Telling (Erzählen/Zusammenfassen) bedeutet, der Erzähler fasst zusammen und berichtet. Das schafft Distanz und erhöht das Erzähltempo.
- Showing (Darstellen) bedeutet, dass Ereignisse, Dialoge oder Gedanken direkt dargestellt werden. Dadurch wirkt das Geschehen unmittelbar und anschaulich, sodass der Leser in die Handlung hineingezogen wird.
Die drei Formen der Gedankenwiedergabe
-
Interior monologue (innerer Monolog)
: Die Figur spricht in der Ich-Form direkt zu sich selbst oder zum Leser. Meistens steht der Text im Simple present
oder Future tense.
➡️ „I can’t believe this is happening. What am I going to do now? I have to get out of here!“
-
Free indirect discourse (erlebte Rede)
: Erzähler- und Figurenstimme werden miteinander verbunden. Der Text steht in der dritten Person, klingt aber wie die Gedanken der Figur. Anführungszeichen fehlen und der Tonfall der Figur wird übernommen.
➡️ „She looked at the clock. Why was he late? They were supposed to meet at five. He was probably stuck in traffic.“
-
Stream of consciousness (Bewusstseinsstrom): Die Gedanken werden so wiedergegeben, wie sie im Kopf entstehen. Sie können ungeordnet oder unvollständig sein. Gedanken können plötzlich abbrechen oder zu einem anderen Thema springen. Dabei fehlen oft Satzzeichen.
➡️ „Where is he five minutes late maybe he forgot the time I should call him no my phone is in my bag. What was I doing again.“
So analysierst du die Zeitordnung
Nicht jede Geschichte erzählt Ereignisse in der Reihenfolge, in der sie passieren. Die Zeitordnung beschreibt, wie ein Text die Chronologie manipuliert und welche Wirkung das hat.
Hier siehst du die vier zentralen Techniken im Überblick:
| Technik | Definition | Wirkung |
| Flashback | Rückblick auf ein früheres Ereignis | liefert Hintergrund und erklärt Figuren/ Konflikte |
| Flashforward | Vorausgriff auf ein späteres Ereignis | erzeugt Spannungen und dramatic irony (dramatische Ironie) |
| Backstory | Hintergrundinformation zu Figur oder Welt, die vor der eigentlichen Handlung liegt | gibt mehr Kontext und Informationen |
| Foreshadowing | Vorausdeutung, die kommende Ereignisse betrifft | baut Erwartungen und Spannung auf |
➡️ Beispiele:
- Flashback: „Sarah looked at the old photo and remembered the day she had moved to the city with her family.”
- Flashforward: „Ten years later, Sarah would look back on this day and realize that everything had changed.”
- Backstory: „ Sarah had grown up in a small town with her parents and two brothers before she moved to the city.“
- Foreshadowing: „ As Sarah left the house, she noticed that she had forgotten to lock the front door. For some reason, she had a strange feeling about the day ahead.”
So analysierst du Handlungsverlauf und Spannung
Handlungsverlauf (Plot) und Spannung entstehen nicht zufällig. Ein Autor steuert beides durch den Aufbau der Handlung und durch gezielte Entscheidungen darüber, wann welche Information preisgegeben wird.
Der klassische Handlungsbogen sieht so aus:
| Phase | Inhalt |
| Exposition | Einführung von Figuren, Setting und Ausgangssituation |
| Rising action | Konflikte und Komplikationen bauen sich auf |
| Climax / Turning point | Höhepunkt oder Wendepunkt der Handlung |
| Falling action | Folgen des Wendepunkts entfalten sich |
| Ending | Auflösung oder offenes Ende |
Nicht jeder Text folgt diesem Schema vollständig. Ein offenes Ende (open ending) lässt Konflikte ungelöst und gibt dem Leser keine eindeutige Auflösung. Das erzeugt Mehrdeutigkeit und lädt zur eigenen Interpretation ein.
Übrigens: Es gibt auch die sogenannte frame story (Rahmenhandlung). Dabei wird eine Geschichte in eine andere Geschichte eingebettet (embedded story). Ein Beispiel findet sich in Harry Potter und die Heiligtümer des Todes. Die Geschichte der drei Brüder und der Heiligtümer des Todes wird innerhalb der eigentlichen Harry-Potter-Handlung erzählt. Die Haupthandlung bildet dabei den Rahmen und die Geschichte der drei Brüder die eingebettete Geschichte.
So analysierst du die Charakterisierung
Figuren lassen sich auf zwei grundlegende Arten erfassen: durch direkte und indirekte Charakterisierung.
Direct characterisation (direkte Charakterisierung): Der Erzähler beschreibt eine Figur explizit, z. B. durch Adjektive oder zusammenfassende Urteile. Dadurch erhält der Leser schnell Orientierung. Als Beleg eignet sich die direkte Beschreibung oder eine auffällige Eigenschaft der Figur.
➡️ Beispiel: „Sarah was a kind and friendly girl who always helped her friends.“
Indirect characterisation (indirekte Charakterisierung): Die Figur wird durch Handlungen, Sprache, Reaktionen anderer oder äußere Details gezeigt. Hiermit wird der Leser eingeladen, selbst Schlüsse zu ziehen. Für die Analyse kannst du beispielsweise ein markantes Detail, eine Handlung oder eine Aussage der Figur nennen.
➡️ Beispiel: „Sarah noticed that her friend was upset and immediatly went over to talk to her.“
Zusätzlich unterscheidest du zwischen dynamischen und statischen Figuren. Eine dynamische Figur entwickelt sich im Verlauf der Handlung. Eine statische Figur bleibt gleich.
So analysierst du Schauplatz und Atmosphäre
Schauplatz (setting) umfasst alle äußeren Bedingungen, in denen eine Geschichte stattfindet: Ort, Zeit, soziale Verhältnisse, Wetter sowie Farb- und Klangfelder. Diese Elemente arbeiten zusammen und erzeugen Atmosphäre.
Für deine Analyse erkennst du Setting-Beschreibungen vor allem an ausführlichen Beschreibungen der Umgebung und an Wörtern, die eine bestimmte Stimmung vermitteln. Häufen sich zum Beispiel Wörter wie „dark“, „cold“, „decay“ und „silence“, kann dadurch eine düstere oder bedrohliche Atmosphäre enstehen.
Setting erfüllt in einem Text vier typische Funktionen:
- Stimmungsgebung: Ort und Wetter erzeugen eine emotionale Grundstimmung
- Symbolik: Details stehen für übergeordnete Ideen oder Themen
- Spiegelung oder Kontrast zur Figur: Die Umgebung verstärkt oder kontrastiert den inneren Zustand einer Figur
- Einfluss auf die Handlung: Das Setting schränkt Figuren ein oder ermöglicht bestimmte Ereignisse
Erzähltechniken verstehen
Narrative techniques gehören zu den wichtigsten Erzähltechniken in englischen Texten und Romanen. Du vergleichst in diesem Themenfeld Erzählperspektive, Redeformen, Zeitstruktur und den Aufbau von Handlung. So wird klar, wie ein Text Nähe, Distanz, Spannung oder Orientierung beim Leser erzeugt. Im Englischbereich findest du passende Videos zu diesem und verwandten Themen.